Erinnerungsarbeit
Es ist nie zu spät,
sich mit der Kindheit zu versöhnen.
„Betonierte Herzen“ hatten unsere Mütter im Krieg, sagte Elke Heidenreich in einer TV-Sendung.
Kein Wunder! Standen sie doch mit ihrer Angst weitestgehend allein und verlassen da.
Das prägte die Kindheit und das Leben von den älteren unter uns, den „Kriegskindern“.
Aber auch ohne Krieg haben Mütter manchmal enge Grenzen. Auch ohne Krieg sind Väter abwesend. Der Lebensstart war und ist oft belastet.
Die Lehrtherapeutin Fanita English, die ich in den 1980er Jahren als sehr zugewandte Transaktions-Analytikerin kennen lernte, ließ sich in der Gruppentherapie manchmal schlimme Erinnerungen aus der Kindheit erzählen. Dabei hatte sie die besondere Fähigkeit, das kleine Mädchen, den kleinen Buben von damals sehr konkret und Anteil nehmend vor sich zu sehen und zu unterstützen. Wenn dann manchmal das Leid gar kein Ende nehmen wollte, sagte sie zuweilen: Du würdest nicht überlebt haben, wenn dir nicht auch Positives begegnet wäre. Komm – lass uns auch danach suchen.
Wo gibt es in unserer Kindheit auch Szenen „freudigen Stolzes“ zu entdecken, fragt die bekannte Tiefenpsychologin Verena Kast. Ob die freudigen Erinnerungen ausreichen, eine „Freudenbiographie“ zu schreiben, ist dabei nicht so wichtig. Um dem Belastenden die bleierne Schwere zu nehmen, wird es allemal ausreichen – sonst hätten wir wahrscheinlich nicht überlebt.