Älter werden, alt sein – ein paar Gedanken dazu
„Es gibt erfülltes Leben –
trotz vieler unerfüllter Wünsche“
dieser Satz von Dietrich Bonhoeffer begleitet mich schon lange durch mein Leben. Er hilft über die Frage nachzudenken, wie viel Freiraum wir im Leben hatten oder noch haben.
Wie viel Freiheit hat uns das Leben gelassen? Wie viel Freiraum haben wir uns trotz Enge erkämpft? Große Persönlichkeiten und starke Menschen entwickeln sich eher im Kampf gegen die Enge als in allzu großem Freiraum, hat man erkannt.
Eigenwirksamkeit zu erleben, bedeutet ein großes Glück. Eigenwirksamkeit im Alter zu behalten, ist ein befriedigendes und würdiges Ziel. Dazu müssen wir das Alter nicht idealisieren oder gar leugnen.
Die Früchte, die eine bewusste Auseinandersetzung mit den enger werdenden Grenzen für uns bereit hält, können nicht reifen oder fallen sogar faul geworden ins Gras, wenn wir vergessen, sie zu pflegen, zu pflücken und zu genießen. Diese Ernte schafft neue Lebensintensität und ideellen Reichtum, der durch Verschenken nicht kleiner wird.

Das ist etwas anderes als Ansprüche zu stellen. Das ist auch etwas anderes als unsere Ich-Ideale den Menschen in unserer Umgebung aufzubürden, damit sie für uns verwirklichen, was wir in unserem Leben nicht erreicht haben, vielleicht nicht erreichen konnten. Es wäre heilsam für uns, unsere unerfüllten Wünsche in die eigene Verantwortung zu nehmen und als Stückwerk unseres Lebens zu begreifen.
Entwicklungsmöglichkeiten im Alter! Das Ziel ist, Aussöhnung mit uns selbst zu erleben und Dankbarkeit zu spüren. Beides kommt schließlich auch denen zugute, die für uns hoffentlich mal gerne sorgen.
Vor Jahren gab es in Kassel folgendes Graffito:
„Möge der Tod uns lebend finden und das Leben uns nicht tot.“